Für Gründer zählt neben dem erwarteten Gewinn, ob zum Fälligkeitstermin genug Geld auf dem Geschäftskonto liegt. Liquidität heißt, laufende Rechnungen bezahlen zu können. Wer Kundinnen und Kunden später abrechnet, Material, Miete oder Löhne aber früher zahlen muss, gerät trotz guter Auftragslage in eine Finanzierungslücke.
Der Gewinn zeigt, ob Einnahmen und Kosten zusammenpassen. Die Liquidität zeigt, ob das Geld rechtzeitig verfügbar ist. In der Startphase braucht ein Unternehmen deshalb einen Plan, der zeigt, wie es Ertrag erwirtschaftet, und genug Geld, um die Zeit bis zu den Zahlungseingängen zu überbrücken.
Gewinn und Kontostand
Ein Auftrag kann profitabel sein und trotzdem vorübergehend Geld kosten. Ein Betrieb kauft beispielsweise Material und bezahlt die Lieferung, bevor er den Auftrag abschließt und die Rechnung stellt. Die Kundenzahlung trifft erst später ein. Bis dahin gehen möglicherweise Miete, Versicherungen, Gehälter und andere laufende Kosten vom Konto ab.
Für die Zahlungsfähigkeit zählt der tatsächliche Zeitpunkt jeder Ein- und Auszahlung: Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob das Geschäftsmodell voraussichtlich Erträge erwirtschaftet; die Liquiditätsplanung stellt dagegen dar, wann Geld eingeht und abfließt. Das Bundeswirtschaftsportal empfiehlt, beide Pläne getrennt zu führen.
Wenn eine Rechnung fällig wird, hat kurzfristig die Liquidität Vorrang. Langfristig braucht ein Unternehmen neben einem vollen Kontostand auch ein Geschäftsmodell, das dauerhaft genügend Ertrag erwirtschaftet.
Ein- und Auszahlungen planen
Plane Ein- und Auszahlungen für mindestens sechs, besser zwölf Monate. Trage nicht nur regelmäßige Kosten ein, sondern auch größere Anschaffungen, Steuern, Kreditraten und Ausgaben, die vor einem Auftrag anfallen. Bei erwarteten Kundenzahlungen zählt der realistische Zahlungstermin, nicht das Rechnungsdatum.
Der Plan sollte den voraussichtlichen Kontostand Monat für Monat zeigen. So wird sichtbar, wann das Konto am stärksten belastet ist und ob eine Finanzierungslücke entsteht. Aktualisiere die Zahlen, sobald sich Aufträge, Zahlungstermine oder Kosten ändern. Wenn eine Unterdeckung schon in den nächsten Wochen droht, prüfe den Plan häufiger und kläre Finanzierungsmöglichkeiten frühzeitig.
Plane außerdem vorsichtig. Rechne nicht mit einem Zahlungseingang, solange beim Auftrag oder bei der Rechnung noch etwas unsicher ist. Das gilt auch, wenn die Zahlungszusage unsicher ist. Bei größeren Aufträgen musst du einplanen, dass du Kosten tragen musst, bevor die Kundschaft zahlt. Mehr Umsatz kann mehr Geld binden, wenn Material und Personal vorab bezahlt werden müssen. Dasselbe gilt für andere Leistungen.
Liquiditätspuffer berechnen
Das Existenzgründungsportal nennt eine Reserve für mindestens drei Monate als Faustregel. Damit kannst du laufende Rechnungen bezahlen, wenn Einnahmen später kommen oder niedriger ausfallen. Drei Monate sind keine feste Vorgabe und reichen nicht für jedes Geschäftsmodell.
Der passende Betrag hängt unter anderem von den monatlichen Fixkosten, den Zahlungsfristen der Kundschaft und den Umsatzschwankungen ab. Wer viel Material vorfinanzieren muss oder saisonale Einnahmen hat, braucht mehr Spielraum als ein Betrieb mit niedrigen laufenden Kosten und regelmäßigen Zahlungseingängen. Nutze den Liquiditätsplan, um den nötigen Puffer zu bestimmen. Entscheidend ist, wie weit der Kontostand in den schwächsten Monaten sinkt.
Trenne die Reserve möglichst vom Geld, das für laufende Ausgaben oder private Entnahmen vorgesehen ist. Beziehe eigene Rücklagen und verbindlich zugesagte Finanzierung in die Planung ein. Eine bloße Aussicht auf einen Kredit oder Zuschuss ist noch kein verfügbares Geld.
Zahlungsziele steuern
Ein Zahlungsziel verschiebt den Eingang des Geldes. Während die Kundschaft noch nicht bezahlt hat, hat der Betrieb die Leistung oft bereits erbracht und eigene Kosten getragen. Vereinbare deshalb Zahlungsfristen, die zur Branche passen, und kalkuliere im Liquiditätsplan mit dem tatsächlichen Zahlungstermin.
Stelle Rechnungen nach der Leistung zügig und korrekt. Überwache offene Forderungen und frage bei überschrittenen Fristen früh nach. Bei größeren Aufträgen helfen Anzahlungen oder Teilzahlungen, damit du nicht alle Kosten vor der ersten Zahlung tragen musst. Ein Skonto kann schnelle Zahlung fördern, kostet aber einen Teil des Rechnungsbetrags. Prüfe daher, ob der Preisnachlass günstiger ist als die Finanzierung der Wartezeit.
Auch Lieferantenfristen gehören in den Plan. Ein späterer Zahlungstermin, den du mit Lieferanten vereinbarst, verschiebt deine Ausgaben. Es hilft jedoch nur, wenn die vereinbarte Frist eingehalten wird, und ersetzt keine dauerhafte Finanzierung. Verlasse dich bei Kundenzahlungen außerdem nicht darauf, dass jede Rechnung pünktlich oder vollständig beglichen wird.
Fördermittel richtig einordnen
Fördermittel sind nicht automatisch Zuschüsse. Viele Programme bieten Kredite mit besonderen Konditionen, die zurückgezahlt werden müssen. Vor einem Antrag solltest du prüfen, ob dein Vorhaben, deine Branche und die geplante Ausgabe die Förderbedingungen erfüllen. Bei vielen Förderdarlehen muss der Antrag vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Warte im Zweifel die schriftliche Bewilligung ab, bevor du eine förderfähige Investition startest.
Ein Beispiel ist der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW. Nach den aktuellen Produktangaben können damit auch Betriebsmittel wie Personal, Miete oder Marketing finanziert werden. Die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos gegenüber dem Finanzierungspartner. Beantragt wird der Kredit über eine Bank oder Sparkasse. Laut Produktangaben sind Laufzeiten bis zu zehn Jahren und bis zu zwei tilgungsfreie Jahre möglich. Während einer tilgungsfreien Zeit fallen weiterhin Zinsen an. Prüfe vor dem Antrag die aktuellen Konditionen und Voraussetzungen; die Risikoübernahme ist keine automatische Kreditzusage.
Ein Zuschuss kann einen anderen Zweck haben. Der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit richtet sich an bestimmte Personen, die aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit starten. Er unterstützt den Lebensunterhalt und die soziale Absicherung während des Übergangs. Unter den geltenden Voraussetzungen umfasst die erste Phase sechs Monate mit dem zuletzt bezogenen Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich. Eine zweite Phase kann weitere neun Monate mit 300 Euro monatlich umfassen und muss eigens beantragt werden. Die Förderung wird geprüft und ist nicht sicher. Plane sie daher nicht pauschal als frei verfügbares Betriebskapital ein.
Kreditlinie begrenzen
Ein Kontokorrentkredit ist eine vereinbarte Kreditlinie auf dem Geschäftskonto. Er kann kurzfristige Lücken überbrücken, wenn Auszahlungen und Einnahmen zeitlich auseinanderliegen. Kläre mit der Bank frühzeitig, ob eine passende Linie möglich ist. Wenn das Konto schon nahe am Limit ist, wird es schwieriger, eine höhere Kreditlinie zu erhalten.
Nutze die Linie als Reserve für vorübergehende Schwankungen. Sie ist wegen ihrer vergleichsweise hohen Kosten nicht dafür gedacht, langfristige Investitionen dauerhaft zu finanzieren. Eine dauerhafte hohe Auslastung zeigt, dass der Betrieb seinen Geldbedarf genauer prüfen muss. Die IHK Regensburg nennt eine anhaltende Nutzung von 80 bis 90 Prozent der Linie oder eine Überziehung als mögliches Frühwarnzeichen. Die 80 bis 90 Prozent dienen als Orientierungswert und legen keine allgemeingültige Grenze fest.
Früh gegensteuern
Wenn der Plan zeigt, dass das Geld bald nicht für alle Zahlungen reicht, handle sofort. Prüfe zuerst, ob du sichere Zahlungseingänge vorziehen und Ausgaben verschieben oder senken kannst. Sprich mit Kundinnen und Kunden über Anzahlungen oder Teilzahlungen und mit Lieferanten über Zahlungsfristen, bevor Rechnungen überfällig werden.
Steigen offene Forderungen oder bleibt die Kreditlinie dauerhaft stark ausgelastet, reicht es nicht, nur kurzfristig Geld zu beschaffen. Dann prüfe auch Preise, Kosten, Zahlungsbedingungen und den tatsächlichen Finanzierungsbedarf. Factoring, bei dem ein Unternehmen offene Forderungen gegen Gebühren oder Abschläge verkauft, kann den Zahlungseingang beschleunigen. Es ist jedoch kostenpflichtig und passt nicht zu jedem Geschäftsmodell.



