Aufschieberitis – Was tun, wenn’s chronisch wird

Wer kennt es nicht: Das gelegentliche Aufschieben lästiger Tätigkeiten. Kritisch wird es jedoch, wenn das aufschiebende Verhalten chronisch und damit zu einer ernst zu nehmenden Arbeitsstörung wird, weil notwendige Tätigkeiten nicht beendet oder gar nicht erst begonnen werden. Diese Störung geht langfristig oft einher mit allgemeiner Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit oder sogar Depression.

Versagensangst, Angst vor Bewertung und Perfektionismus

Der Hintergrund von chronischer Prokrastination, so lautet der Fachbegriff, ist meist Versagensangst. Betroffene haben oft die Vorstellung, dass andere hohe Erwartungen an sie haben, die sie nicht erfüllen können. Eng damit verbunden ist die Angst, negativ bewertet zu werden. Hohe Leistungsanforderungen, oft aber auch übertriebene Leistungsansprüche an sich selbst, führen zu der Befürchtung, nicht gut genug zu sein. Perfektionisten sind also besonders gefährdet.

Zum Thema wird intensiv geforscht, allen voran an der WWU Münster. Hierbei zeigte sich auch, dass Männer eher betroffen sind als Frauen.

Vermeiden führt früher oder später zu Misserfolg

Eine Studie der Universitätsmedizin der Universität Mainz (Beutel, 2016) erbrachte weitere interessante Aspekte. Demnach ist Prokrastination ein erlerntes Verhalten, das durch die Vermeidung unangenehmer Tätigkeiten immer weiter verstärkt wird. Ersatzhandlungen, wie etwa Medienkonsum, sind weit verlockender. In der Folge ist bei den Betroffenen auch häufig Konzentrationsmangel, Ablenkbarkeit oder sogar ein Aufmerksamkeitsdefizit feststellbar.

Das aufschiebende Verhalten führt irgendwann unweigerlich zu negativen Konsequenzen, was dann tatsächlich Versagen bedeuten und auch Depressionen nach sich ziehen kann. Als Betroffener sollte man sich also rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen. Coaching oder Therapie können helfen, positive Verhaltensänderungen herbei zu führen und dauerhaft zu etablieren.

Erfolgreiche Verhaltensänderung ist möglich

Es geht darum, Bewusstsein über sich selbst, die eigenen Bedürfnisse und Denk- und Verhaltensmuster zu erlangen, Erwartungen und Ziele zu überprüfen sowie Selbstwirksamkeit und Autonomie zu stärken. Die Betroffenen lernen dabei, statt Selbstzweifel und Bewertungsangst ihre Stärken, Potentiale und Chancen in den Fokus zu rücken.

Auf dieser Basis kann eine positive Ausrichtung und Motivation entwickelt und aufschiebendes Verhalten beendet werden.

Ein Beitrag von Business Coach Elisabeth Henschel aus München. Mehr Informationen unter www.henschel-coaching.de.